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1996 – echt was los!

Was bis dahin geschah

Die Nachfrage nach nach meinen Instrumenten wuchs stetig, es entstand – damals fast selbstverständlich für Flöteninteressierte – eine Warteliste.

Und ich konnte nicht mehr beides tun: Meine Arbeit bei Mollenhauer und dann, nach Feierabend, weiter in der eigenen Werkstatt.

Ich musste mich entscheiden – und entschied mich für mich. Für meine eigene Werkstatt, für meine Instrumente.
Eine Entscheidung, die ich wirklich nie bereut habe, bis heute.

Das war natürlich nicht weiter im kleinen Kellerraum möglich. Ich durfte ins Erdgeschoss meines Hauses ziehen – mit echten Fenstern – mit wirklichem Blick nach draußen. Wie habe ich das genossen!

Nicht so sehr genossen hatte es damals mein Kater. Der kam ab und zu mal rein, um mich zu besuchen. Bis ich dann die Impertinenz besaß, Flöte zu spielen!
Er blickte mich schräg an, als wolle er sagen „Wann hörst du denn wieder auf?“. Ich hörte nicht auf, und er verließ höchst beleidigt meine Werkstatt.  Später bekam er dann Futter, und wir waren wieder versöhnt.

In meiner neuen Werkstatt hatte ich wesentlich mehr Platz. Der füllte sich schnell, mit einer neuen Drechselbank, ein paar weiteren Maschinen, einem guten Windkanalhobel (der mir noch heute wunderbare Dienste leistet).

Und so wuchs auch mein Repertoire – neue Modelle kamen dazu. Ganassi-Flöten. Und eine neue Altflöte. Neben meiner geliebten „Bressan“ eine weitere – nach Jacob Denner. 

Jacob und ich waren ja schon bekannt miteinander. Und seine wunderbare Altflöte, die in Kopenhagen im Museum liegt, inspirierte mich aufs Neue.

Und – ja – dann kam dieses Jahr 1996…

Braunschweig am Telefon

Eigentlich begann dieses Jahr 1996 schon vorher, Ende 1995.

Das Telefon klingelte.

Dran war eine Mitarbeiterin der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

„Guten Tag, Herr Blezinger!
Und erst mal herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Musikinstrumentenpreis!“

Was…? Wie bitte…?

Ja, also – der Deutsche Musikinstrumentenpreis wurde – letztmalig 2025 – jährlich für zwei Instrumentenkategorien ausgeschrieben.

In all der Zeit war nur zweimal die Blockflöte mit am Start – für 1996 in der Kategorie „Altflöte“.
Und ich probierte es einfach mal – mit einer meiner neuen Kopien nach Jacob Denner aus Grenadill.

Das Resultat – siehe oben.

Der Preis war ein sogenannter „Ehrenpreis“. Es gab eine schöne Feier, am Vorabend der Musikmesse in Frankfurt. Gleichzeitig wurde auch der Frankfurter Musikpreis verliehen – für mich eine Gelegenheit, einmal mit der Musik von Hans Zender in Kontakt zu kommen, der eine packende Neuinterpretation der „Winterreise“ verfasst hatte.

Ich durfte meine Flöte von der Bühne hören – meisterlich gespielt von einer Frankfurter Flöten-Dozentin.
Und das anschließende Buffet war auch nicht von schlechten Eltern.

War es wegen des Preises? Oder einfach, weil es eine schöne Flöte ist? Auf jeden Fall wurde meine „Denner-Alt“ sowas wie ein Allzeit-Hit in meinem Sortiment.

Umzugsauto vor der Tür

Den Anruf aus Braunschweig bekam ich 1995 noch in Langenbieber.

Den Preis entgegennehmen durfte ich dann von Eisenach aus.

Dazwischen lag ein Umzug – mit meiner kompletten Werkstatt!

Leben verläuft nicht immer gradlinig.  Immer wieder erleben wir Verwerfungen – es läuft anders, als wir uns das einmal vorgestellt hatten.

Ich durfte und musste das auch 1995 erleben.
Die Begegnung mit der späteren Mutter meiner Kinder brachte mich zu diesem Ortswechsel.

Ja, und der war schon heftig. Zwei LKWs voll mit Maschinen, Arbeitstischen, Material, Holzvorräten.

Zeit zu feiern!

Ich hatte Glück, schöne Werkstatträume zu finden – dreimal so groß wie zuvor – ich konnte mich richtig gut einrichten. Und der eine oder andere Wunsch, der in meiner vorigen Werkstatt keinen Raum mehr gefunden hatte, konnte sich jetzt verwirklichen lassen.

Als meine Werkstatt schließlich gut eingerichtet war, ging es dran, das gebührend zu feiern.

Ein Tag der offenen Tür war gut besucht – durchaus mit der einen oder anderen längeren Anreise verbunden – was mich natürlich sehr freute.

Und am Abend durfte ich ins Eisenacher Bachhaus zu einem Sonderkonzert einladen -
Rahel Stoellger aus Wien bereitete mit ihrem Ensemble allen einen wunderbaren Abend!

Und noch ein großes Glück!

Manche Momente großen Glücks durfte ich in meinem Leben erleben.

Einen ganz großen gab es dann im November dieses magischen Jahres 1996:

Ich durfte die Geburt meines ältesten Sohns Martin miterleben.

Sein Start ins Leben war zu Anfang etwas holprig. Und über etliche Wochen war meine Werkstatt eher der Raum, den ich nur zwischendurch mal besuchte.

Bei aller Aufregung – einfach nur Glück!

Viele von Ihnen werden Martin – wie auch seinen 1999 geborenen Bruder Alexander – von der einen oder anderen Ausstellung her kennen, bei der sie mich entweder gut und kompetent vertreten oder mir hilfreich zur Seite gestanden haben.

Natürlich haben beide dann später angefangen, Blockflöte zu lernen. Profis sind sie nicht geworden, aber doch recht gute Spieler. Beide fingen damit an, weil sie das einfach wollten – vielleicht kein Wunder bei einem Papa mit einer ganzen Werkstatt voller unfertiger und fertiger Flöten. Und beide haben das Blockflötenspiel „durchgezogen“, auch als sie in einem Alter waren, wo das vielleicht gar nicht mehr so „cool“ war.

Beide hüten ihre Flöten nach wie vor – auch wenn sie derzeit nicht spielen. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn sie eines Tages die Freude daran wiederentdeckten.