Stephan Blezinger

Meisterwerkstätte für Flötenbau

 

 

 

Ausstellungen

Freitag, 22. März 2019 -
Samstag, 23. März 2019
Recorder Summit - Schwelm (DE)


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Ganassi - Kynsecker - Bressan - Denner 

Bauliche Unterschiede und ihre Auswirkungen auf die musikalische Praxis

Vortrag beim Erta-Symposium Karlsruhe 1994           

1 Grundsätzliches zur Flötenakustik

Ziel dieser Betrachtungen soll sein, Blockflöten in ihren verschiedenen Bauweisen einmal von der baulichen und konstruktiven Seite her zu betrachten und zu untersuchen, wie sich bauliche Unterschiede auf die musikalischen Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten des Instruments auswirken. 

1.1 Verhältnis Bohrungsgestaltung zu Klangbild

Wir untersuchen hierzu einmal verschiedene klangbestimmende Faktoren beim Instrument. An erster Stelle stehen die verschiedenen Ausformungen der Innenbohrung. Hier sind die Unterschiede z. B. zwischen einer Renaissance-Flöte in Ganassi-Bauweise an deutlichsten.           

Aus dem Physikunterricht oder der Beschäftigung mit dem Orgelbau kennt man den Unterschied zwischen offenen und gedackten Pfeifen. Man weiß, dass eine gedackte Pfeife bei gleicher Frequenz nur halb so lang ist wie eine   entsprechende offene Pfeife. Auch die Klangfarbe der Töne ist unterschiedlich. Wir wissen ja, dass sich der Klang eines Instrumententons zusammensetzt aus verschiedenen Teiltönen. Auf den Grundton als erstem Teilton folgt die Oktave als zweiter, hierauf die Quinte dazu (bzw. die Duodezim zum Grundton) als dritter, als vierter die Doppeloktave, als fünfter eine Terz, hierauf als sechster wieder eine Quinte auf die Doppeloktave und so weiter.

Wir erinnern uns, dass sich die Klänge offener Pfeifen aus allen Teiltönen zusammensetzen, die Klänge gedackter Pfeifen lediglich aus den ungeradzahligen Teiltönen, also Grundton, Quinte über der Oktave, Terz über der   Doppeloktave usw. Diese nasal erscheinenden Klänge bezeichnen wir auch als  "gedacktes Klangbild".

Gedackte Pfeifen unterscheiden sich auch in ihrem Überblasverhalten von den offenen, sie lassen sich nur in ungeradzahlige   Teiltöne überblasen. Typischer Vertreter ist die Klarinette, die nicht oktavieren kann, sondern sofort in die Duodezim überbläst. Ein Zwischending sind nun Pfeifen, die nach unten mehr oder weniger stark verengt sind. Bei ihnen werden zwar die geradzahligen Teiltöne nicht ganz unterdrückt, sie sind aber gegenüber den ungeradzahligen deutlich abgeschwächt, so dass derartige Pfeifen auch zu einem nasalen, eben "gedackten" Klangbild neigen, auch wenn es in aller Regel noch problemlos möglich ist, sie in weiten Bereichen in die Oktave   zu überblasen.

Eine weitere Rolle spielt die Bohrungsweite in Relation zur Bohrungslänge. Je enger die Bohrung ist, desto stärker ausgeprägt sind die höheren Teiltöne, desto leichter kann das Instrument auch überblasen werden. Im   Extremfall wird der Klang scharf und tiefe Töne sprechen nur noch schwer an, da das Instrument stark zum Überblasen neigt.

Im Gegensatz dazu steht ein Instrument mit relativ weiter Bohrung. Es hat, durch sein großes Luftvolumen, einen großen, eher obertonarmen Klang und dabei unter Umständen eher Probleme, in höhere Teiltöne zu überblasen.

1.2 Sonstige klangbestimmende Konstruktionsmerkmale

Natürlich spielen noch einige andere Baufaktoren eine große Rolle für den Klang einer Blockflöte.           

Da ist zunächst die Gestaltung des Aufschnitts. Generell kann man sagen, dass je größer der Aufschnitt ist, der Klang umso lauter und direkter wird.

Dies gilt vor allem in Relation zur Bohrungsweite. Am deutlichsten wird das, wenn man die Extreme betrachtet. So ergibt eine weite Bohrung mit einem kleinen Aufschnitt zusammen einen dunklen, intimen Klang, während eine enge Bohrung, zusammen mit großem Aufschnitt, scharfe Instrumente mit schneller, nervöser Ansprache ergibt.

Deutliche Unterschiede gibt es auch noch bei der Neigung des Windkanals in Vergleich zur Instrumentenachse. Generell gilt, dass weitere Innenbohrungen stärker angeregt werden müssen als eher enge, so dass sie in der   Konsequenz bei Renaissance-Instrumenten fast durchweg leicht zum Inneren hin geneigt sind, während sie bei den meist enger gebohrten Barock-Instrumenten meist flach oder sogar leicht nach außen geneigt sind.