Stephan Blezinger

Meisterwerkstätte für Flötenbau

 

 

 

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Das Ölen von Blockflöten

Regelmäßiges Ölen ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen, die Sie Ihrer hochwertigen Blockflöte angedeihen lassen können. Zum einen geht  es darum, das Holz des Instruments gegen den Einfluss von Feuchtigkeit und  Klimaschwankungen zu schützen. Zum anderen bringt das Öl manche, vor allem  leichtere Holzarten erst angemessen zum Klingen.

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Welche Flöten müssen geölt werden?

Eigentlich gibt es nur eine Art von Blockflöten, die  bestimmt nicht geölt werden muss: Plastikflöten. Für alle Flöten aus Holz ist  Ölen zumindest von Vorteil, meistens sogar unabdingbar. Viele einfache  Instrumente für den Schulbereich, meist aus Ahorn oder Birnbaum gefertigt, sind  ab Werk mit Paraffin imprägniert, was einen gewissen Schutz gegen Feuchtigkeit  mit sich bringt und auch dem Holz erst das Klingen ermöglicht. Früher gaben  Hersteller an, diese Instrumente müsste nicht, teilweise sogar, sie dürften  nicht geölt werden. Auch wenn das Paraffin einen gewissen Schutz bietet, erhält ein regelmäßiges Ölen diese Instrumente nicht nur auf Dauer schöner, sie  bleiben auch klanglich attraktiver.

Flöten aus handwerklicher Herstellung und generell Instrumente aus härteren Hölzern wie Palisander, Grenadill oder Europäischem  Buchsbaum sind in aller Regel von vorneherein ausschließlich geölt und  benötigen das Öl auch weiterhin.

Welches Öl ist das beste?

Ich benutze während des Baues meiner Flöten, so wie viele andere Flötenbauer auch, Leinöl zu Imprägnierung des Holzes. Dieses bietet  einen optimalen und langfristigen Schutz für das Material, vor allem, da es nach einiger Zeit aushärtet.

Dies ist zugleich der Grund, warum ich Leinöl nicht zur alltäglichen Pflege Ihrer Instrumente empfehle. Je nach Material, vorheriger Oberflächenbehandlung, ja sogar je nach der aktuellen Witterung  härtet Leinöl mehr oder weniger schnell aus, in für Sie möglicherweise völlig unkalkulierbaren Zeiträumen. Das Ergebnis ist nur allzu schnell eine mit Ölresten verklebte Innenbohrong oder durch Öl verkleinerte Tonlöcher. Ich habe  in meiner Werkstatt Mittel und Wege, solche Instrumente wieder zu reinigen -  Sie haben sie meist nicht.

Wesentlich angenehmer in der Handhabung ist Mandelöl, genauer gesagt: Süßmandelöl. Man bekommt es mittlerweile als Blockflötenöl im Fachhandel, ebenso wie in jederApotheke. Es bietet einen praktisch genauso  guten Schutz wie Leinöl, wird jedoch nicht so schnell fest und ist daher nicht so tückisch in der Handhabung.

Das sogenannte Holzblasinstrumentenöl, dass vor allem für „klassische“ Instrumente mit aufwändigen Mechaniken verwandt wird, ist hingegen weniger geeignet. Jenes dient vor allem zum Ölen der Mechanik; es handelt sich in der Regel um mineralische Öle, die zur Pflege von Holz nicht geeignet sind.

Wie oft öle ich meine Blockflöte?

Eine neue Blockflöte muss, vor allem in den ersten Monaten, häufiger geölt werden. Je nach Holzart empfiehlt es sich, das ruhig alle drei  bis vier Wochen zu machen. Es ist immer besser, häufiger und dabei nur leicht  zu ölen, als das Instrument nur gelegentlich dann im Öl zu „ertränken“. Später,  nach einem viertel oder halben Jahr, wird es dann ausreichen, das Instrument  alle drei bis sechs Monate zu ölen, abhängig vom Material und der Belastung  durch das Spiel.

Es ist auch gut, sich das Instrument regelmäßig aufmerksam  anzusehen. Wenn man bemerkt, dass etwa der obere Zapfen oder das Labium die  frische Holzfarbe verliert und stumpf und grau wird, dann ist es wirklich Zeit  zum Ölen. Wenn Sie andererseits feststellen, dass das Holz kaum Öl aufnimmt,  dürfen Sie davon ausgehen, dass das nächste Mal durchaus etwas länger Zeit hat.

Was öle ich?

Es gab wirklich einmal einen bekannten Flötenhersteller, der postulierte, man dürfe das Kopfstück der Flöte auf keinen Fall ölen. Das war so in etwa der größte Unsinn, den ich bislang zu diesem Thema gehört habe. Vor  allem das Kopfstück, das ja in besonderer Weise der Feuchtigkeit ausgesetzt  ist, braucht den Schutz des Öls. Auch die Fläche des Labiums, eine der am  stärksten strapazierten Stellen der Flöte, sowie die Seitenwände und die  Oberseite des Fensters sollen mit einem Pinselchen eingehüllt werden.

Lediglich  der Block darf nicht mit geölt werden. Dessen Aufgabe ist es ja, die  Atemfeuchtigkeit aufzunehmen, und das kann er nur, wenn er nicht voller Öl ist.  Generell gilt, dass kein Öl in den Windkanal laufen soll. Dieses würde dort für  spätere Tröpfchenbildung sorgen, so dass das Instrument dann schnell zu  Heiserkeit neigt. Es sollen also alle Teile geölt werden, vom Kopf bis zum  Fuß. Vorsichtig muss man immer sein wenn ein Instrument Klappen hat; diese dürfen nicht mit dem Korpusöl geölt werden, da dieses fest wird und die Klappen dann  nicht mehr zuverlässig funktionieren. 

Ob das Instrument auch außen geölt werden muss, hängt von  der Oberflächenbeschaffenheit ab. Wenn ein Instrument außen lackiert ist, muss  diese Fläche natürlich nicht geölt werden. Ansonsten ist auch dies ratsam;  zum einen bleibt die Flöte ansehlicher, zum zweiten hilft es auch, Risse zu  vermeiden.

Wie öle ich?

Zum Ölen sind folgende Werkzeuge hilfreich: ein alter Flötenwischer, ein kleiner Pinsel, eventuell ein Brett mit Holzstäben, um die Instrumententeile danach aufstellen zu können. Das Instrument sollte zum Ölen trocken sein. Manche Leute schlagen zum Ölen den Block aus dem Kopf und ölen dann den ganzen Kopf von unten bis oben. Ich rate davon generell ab, aus mehreren Gründen: zum einen ist es nicht immer sicher, ob man den Block wirklich wieder exakt an seine ursprüngliche Position bekommt, zum anderen bilden sich auf einer geölten Windkanalbahn wieder Wassertröpfchen, die für  lästige Heiserkeit sorgen.

Man ölt mit dem Wischer behutsam erst die Innenbohrong  jedes Teils, dann dessen Außenseite. Beim Kopf sollte man darauf achten, dass die Stirnseite des Blocks nicht von innen mit Öl getränkt wird. Wenn ein kleiner Tropfen Öl auf die Stirnseite gerät, ist das nicht weiter von Bedeutung. Aus diesem Grund ist es günstig, etwa einen Wischer mit einer  kleinen Plastikkappe am Ende zu benutzen. Beim Kopf wird außerdem die Fläche des Labiums dessen Seiten  und die Fensteroberkante (bis 1-2 mm vor den Luft austritt) leicht mit Öl bestrichen. Man stellt danach alle Teile möglichst senkrecht hin.

Nach etwa einer Stunde kontrolliert man, ob das Öl  möglicherweise an manchen Stellen schon ins Holz eingezogen ist. Das wird vor allem beim Labium und bei den Zapfen oft der Fall sein. Diese Stellen kann man  dann noch einmal leicht nachölen. So lässt man das Instrument am besten über Nacht stehen.

Am nächsten Tag befreit man das Instrument sorgfältig mit  Lappen, eventuell einer weichen Bürste für die Innenbohrong und Wattestäbchen oder Pfeifenreiniger für die Tonlöcher von verbliebenen Ölresten. Es ist wichtig, vor allem die Tonlöcher sorgfältig von verbliebenem Öl zu befreien, um unangenehme Überraschungen mit plötzlichen Stimmungsänderungen zu vermeiden.

Dann kann man die Flöte eigentlich sofort wieder spielen. Gelegentlich kann man beobachten, dass eine Blockflöte in den ersten Stunden nach dem Ölen etwas matt und stumpf klingt. Das kommt daher, dass sich manchmal  die Labialkante durch das Ölen etwas nach innen bewegt. Dies hat sich meist nach einer halben bis ganzen Stunde wieder korrigiert. Man sollte es nur wissen und sein Instrument nicht unmittelbar vor einem wichtigen Einsatz ganz frisch  ölen.

Regelmäßig so gepflegt wird Ihre Flöte Ihnen lange
ein treuer Begleiter bleiben.